Omas Geschichte

Hallo ihr lieben, ich bin Oma und möchte euch heut gern meine Geschichte erzählen. 2010 bin ich aus einem Ei geschlüpft und es wurde festgestellt, dass ich zur Zucht geeignet bin und somit länger leben darf als einige meiner Geschwister und Jugendfreunde. Ich wurde erwachsen, und fand mich plötzlich mit einem jungen Tauben-Herren eingesperrt wieder. Auf Grund mangelnder Auswahl heirateten wir dann bald und bekamen Kinder. Die Jahre vergingen und ich habe wirklich viel gesehen und erlebt. Auch bei unserem Menschen vergingen die Jahre und wir sahen ihn immer seltener. Unsere Gehege wurden immer schmutziger und der neue Mensch versorgte uns leider viel zu selten mit frischem Wasser und zu essen gab es nur noch Weizen. Mir ging es nun auch nicht mehr gut. Die Augen schmerzten und ich fühlte mich einfach nur schlapp. Eines Tages, wir waren alle schon im Bett, kam ein junger Mann und suchte ein paar von uns aus. Vor allem die Kranken und Alten nahm er mit, aber wir waren so viele, dass ich nicht mitfahren konnte. Da ich nicht wusste was passierte, hatte ich mich auch gut versteckt. Aber ich hörte die Gespräche und erfuhr so einiges. Zum Beispiel erfuhr ich, dass ich eine Strasser-Taube bin und meine Freunde sind Römer-Tauben und Brieftauben. Wir leben in einem Bauernhof, was ich nicht wissen konnte, da wir unser gesamtes Leben auf einem Scheunendachboden verbrachten. Mein Mensch ist wohl schon älter und kann sich nicht mehr um uns kümmern. Sein Bruder versucht uns zu versorgen. Er denkt auch das er es gut macht, aber der junge Mann, Jonas heißt er, war von unseren Wohnungen schon sehr erschrocken. Er nahm so viele von uns mit, wie er ins Auto bekam und verschwand. Unser Leben ging erstmal so weiter, bis wenige Tage später, am 22.10.2022, wieder jemand kam. Diesmal waren es mehr. Rüdiger und Katja trafen sich mit Christian hier und besuchten uns. Ich konnte hören, dass alle sehr erschrocken waren und unsere verstorbenen Freunde, die noch am Boden lagen, betrauerten. Schon bald begannen sie uns einzufangen. Einige von uns verstanden nicht warum und versuchten zu fliehen. Ich hatte keine Kraft mehr und war schon bald im Karton verpackt. Als alle Römer und Strasser verpackt waren, ging es um die Brieftauben. Unser Mensch meinte, dass diese noch geschlachtet werden, aber Katja wollte sie nicht zurücklassen und somit wurden auch sie noch eingefangen. Christian hatte uns bezahlt und damit die ganze Aktion ermöglicht. Ich bin ihm dafür sehr sehr dankbar. Als wir ankamen, war es bereits dunkel. Ich habe gehört, dass unser Haus noch nicht fertig ist und wir wurden in ein Folienhaus gesetzt. Einer nach dem anderen wurde aus dem Karton geholt und bei Taschenlampenlicht wurden uns die großen dicken Kotbatzen von den Zehen abgemacht. Das dauerte über 3 Stunden. Als ich an der Reihe war, haben sie mein Alter an meinem Ring gesehen. Seit diesem Moment hieß ich Oma. Das mit den Strasser-Tauben, das stimmt wohl doch nicht, denn Katja sagt jetzt wir sind Pinguine. Ich bekam einen extra Sitzplatz mit extra Wasser und extra Futter, geschützt zwischen zwei riesen Basilikumsträuchern. Dort konnte ich mich ausruhen. Die anderen waren begeistert von dem Platz, aber auch verängstigt. Um das Gewächshaus herum wurde noch ein Schafzaun mit Strom gezogen, damit uns der Fuchs nicht findet. Am nächsten Morgen gab es leckeres buntes Futter, frisches Wasser und eine Badewanne. Ach freuten sich da meine Freunde. Jeder wollte der erste sein und es wurde immer und immer wieder gebadet.

Ich schaute nur zu, denn mir ging es wirklich nicht gut. Ich wurde total umsorgt und bekam Tabletten. Nach ein paar Tagen wurden wir plötzlich wieder eingefangen. Die meisten wollten das nicht. Ich war, wie immer, die erste und merkte auch gleich, dass wir jetzt angekommen waren. Es war ein gemütliches kleines Zuhause und man durfte sogar raus. Nach und nach kamen alle an und freuten sich über die neuen Bademöglichkeiten. Schnell wurden die Sitzplätze verteilt.

 Am 6.11. ging es mir wieder schlechter und ich wurde liebevoll umsorgt. Am 9.11.2022 dann flog ich über die Regenbogenbrücke. Meine neuen Menschen waren endlos traurig, aber ich schau mir das ganze jetzt von oben an. Ich freu mich für meine Freunde und Kinder, welche jetzt ihr restliches Leben im Paradies im Gemüsegarten verbringen.

Ich möchte nur gern noch alle Menschen bitten, nicht zu vergessen, dass auch ihr älter werdet. Ich wurde 12 Jahre alt, und für eine Taube ist das schon eine stolze Zahl. Menschen werden viel älter. Aber auch wenn ihr euer Hobby und uns Tiere liebt, solltet ihr unsere Versorgung absichern, auch wenn es euch mal nicht mehr so gut geht. Und das geht manchmal ganz schnell, so wie es auch bei mir war.

Euer Pinguin Oma

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